Vier Stufen
Werk
VIER STUFEN handelt von Bewegung, vom Gehen (das Wort passacalgia kommt vom spanischen „pasear por la calle“, was soviel wie „durch die Straßen gehen“ bedeutet). Ich wohne in einem typischen Altbau im obersten Stockwerk, steige täglich vier Treppen runter und wieder hoch und bin dabei oft voll beladen (das heißt, die Treppenstufen müssen sorgfältig genommen werden, es bleibt Zeit zum Beobachten). Während meiner Wege habe ich etwas Seltsames festgestellt: gehe ich eine Treppe hinunter, laufen die Stäbe des Geländers entgegen meiner Laufrichtung auf mich zu, gehe ich nach oben, laufen die Stäbe nach unten. Die „Gehbewegung“ der Passacaglia wird im Film dadurch beschrieben, dass ich die Seiten meines Skizzenbuches durchblättere und tagebuchartige Notizen zeige, manchmal grobe, manchmal ausformuliertere. Das Blättern zeigt eine Bewegung wie von einem Gedanken zum anderen; es ist außerdem wie eine kurze Pause zwischen zwei musikalischen Phrasen. Als ich den Film drehte (der 1,5 Jahre dauerte), war mir egal, wenn technische Unvollkommenheiten wie ein verschwommenes Bild oder ein Sonnenfleck auf dem Papier mit in die Aufnahme kamen. Im Gegenteil, diese „Fehler“ bereichern den Film. Denn es geht ja nicht nur um den Prozess des Entstehens, sondern auch um den Prozess des Schauens (des Suchens und Findens) und sich wiederholender Blicke (so dass ein Baum verschiedene Erscheinungsformen haben kann). Ebenso wichtig ist der finale Schnitt (den ich mit meiner Zwillingsschwester Anna Faroqhi machte). Wir haben uns den Rhythmus der verschiedenen visuellen Frequenzen angesehen und wie diese miteinander zusammenhängen. In Bezug auf die Musik soll das Bild nicht einfach begleiten oder Klänge verbildlichen. Darum ist eine Animationsfrequenz manchmal bewusst langsamer oder schneller gesetzt als die Musik. Eine Spannung baut sich auf, die Musik und Bild ihren eigenen Raum gibt.