Circle Phases

Werk


Circle Phases
Circle Phases
Lara Faroqhi    → Biografie anzeigen   
Deutschland
2018
Kein Dialog

Der Kreis in der Kunst der Minimal Art der 1960er Jahre ist ein immer wiederkehrendes Element. Im Film repräsentiert der mit Kohlestift gezogener Kreis das eintaktige Thema aus Steve Reich´s Komposition Violin Phase. Die gleichförmige, in sich geschlossene Form „hörte“ ich aus dem wiederkehrenden Musikthema heraus.
Im Film ziehe ich auf einem Papier den Kreis mit der Hand, zerteile ihn in 12 einzelne Phasen, in denen er sich immer wieder neu aufbaut, dem Tempo der Musik folgend. Allerdings verzichtet die Animation bewusst darauf, die gespielte Musik präzise zu begleiten.
Die Verschiebungen, die zwischen Musik und Bild auftreten, betonen den Anspruch dieser komplexen Musik: der technischen Fähigkeit des Musikers werden auskomponierte Räume für freie Gestaltung der Tempi entgegengesetzt. Dann „flirrt“ der musikalische Raum, bevor sich die Stimmen neu zueinander ordnen.

Eine Animation herzustellen dauert viele Stunden, Tage, ja Wochen. Die sich kontinuierlich änderten Lichtverhältnisse im Film betonen den changierenden Charakter der Musik Reichs´. Grelle Sonnenflecken oder dämmrige Blauschleier in einbrechender Dunkelheit; die Tagesstimmungen schreiben sich ins Bild ein wie der Kohlestift aufs Papier. Irgendwann reißt das Papier mit der wiederkehrenden Bearbeitung auf.
Auch die Musiker spielen das Stück nie gleich, da sie immer wieder Phasen vorgegeben bekommen, in denen sie ihr eigenes Tempo spielen müssen, ein Anspruch, der dem Orchestermusiker schwer fallen muss. Jedes Mal spielt sich ein Musikstück ein wenig anders, es ist nie exakt reproduzierbar.

So wie die Musiker sich immer wieder zusammenfinden, so finden auch die Bilder immer zurück zur Musik. Diese Spannungen machen für mich den Reiz des Stückes aus. Es wird bestimmt von einer pendelartigen Bewegung der vier Stimmen zwischen dem Spiel des Einzelnen und dem Zusammenspiel.

Reichs Musik scheint mir wie ein Ringen um seine Position zwischen Technik und menschlichem Handeln. Wie seine Komposition ist auch der Film so etwas wie ein Gespräch mit der Gleichförmigkeit technischer Perfektion. Ein sehr aktuelles Thema. (Lara Faroqhi)
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