Neue Brüder

Werk


Neue Brüder
Neue Brüder
Neue Brüder
New Brothers
Sylvie Boisseau    → Biografie anzeigen   
Frank Westermeyer    → Biografie anzeigen   
Deutschland, Schweiz
2011
Deutsch, Spanisch

Der Süden Chiles ist gegenwärtig von oftmals gewalttätigen territorialen Konflikten geprägt. Die nativen Mapuche fordern vom Staat und von den Nachfahren europäischer und insbesondere deutscher Siedler aus dem 19. Jhdt die Rückgabe ihrer Ländereien. Seit der Pinochetherrschaft ist dieser Raum Ziel internationaler Investoren in Forst- und Landwirtschaft, welche die Landschaften in wenigen Jahrzehnten komplett verändert und oftmals den kleinen Landwirten die Existenzgrundlage genommen haben.
Der Film Neue Brüder konfrontiert den gegenwärtigen Konflikt mit einer umfangreichen historischen Recherche, in der die Landschaft des südlichen Chiles als authentischer Bezugs- und Bedeutungsraum der Mapuche Kosmologie sowie als Identitätsträger für die Neuankömmlinge ab Mitte des 19 Jhdts. dargestellt wird.
Nicht zufälligerweise war es ein Landschaftsmaler, Carl Alexander Simon, der Chile als das ideale Ziel deutscher Emigration auserwählte: „Chile ist das eigentliche Vaterland der Kartoffel“ und dort werde auch „die deutsche Pflanze gedeihen“. Simon, ein sozialer Utopist, wähnte die Mapuche schon in voller Erwartung angesichts des baldigen Eintreffens der neuen Brüder aus Deutschland. Der Film fragt nach den ideologischen Botschaften, die sich hinter den Landschaftsdarstellungen Simons verbergen und sucht nach den Gründen der gefälschten Autorschaft eben dieser Bilder, die noch heute die Unterschrift des chilenischen Staatsmanns Vicente Perez Rosales tragen. Offenbaren sich Machtverhältnisse mittels Landschaftsdarstellungen?
Der Film verzichtet bewußt auf einen umfassenden Off-Kommentar. Stattdessen treten die Landschaften als Protagonisten in den präzise konstruierten Einstellungen hervor. Die ineinander verschachtelten Interviews mit unterschiedlichen Bewohnern dieser Region ermöglichen durch die Vielzahl an Perspektiven und durch ihre Vielstimmigkeit eine kritische Dekonstruktion von Landschaft. Befreit von romantisierenden Überformungen wird Landschaft zum Informationsträger.