Implosion
Werk
IMPLOSION, basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Kathy Acker, ist ein mehrfaches Übersetzungsexperiment – nicht nur von einem Medium in ein anderes, sondern auch zwischen Zeitaltern und zwischen Körpern. Der 30-minütige Film lässt sich als Fortführung beziehungsweise Radikalisierung einer literarischen Geste Ackers betrachten, die ihr Drama über die Französische Revolution ins New York der frühen 1980er-Jahre legt und den historischen Inhalt in Sprache und Körper der Punks, Junkies und Prostituierten von Downtown Manhattan überträgt. Loretta Fahrenholz besetzt ihre Adaptation des Stücks mit zeitgenössischen Nicht-Schauspielern – jungen Männer, die im echten Leben ihre Zeit in Fitnessstudios, in Clubs oder am iPhone verbringen und als Grafikdesigner arbeiten oder ihr Geld mit internet porn verdienen. Durch die Wiederkehr von Kathy Ackers Punk-Stimme aus den Mündern der jungen, urbanen Protagonisten aktiviert der Film die Lücke zwischen den beiden New Yorks (von 1983 und 2011), zwischen einer brutalen, transgressiven, unlängst vor dem Bankrott stehenden und von Obdachlosen wimmelnden Stadt und dem vernetzten, abstrakten New York von heute. Während sie in einem Hochhausapartment unweit von Ground Zero auf ihren Laptops Chaos und Terror planen, treten die Silhouetten der Darsteller gegen postmoderne Glasfassaden und den weiten blauen Himmel hervor. IMPLOSION zeigt ein HD-Bild des Schreckens und der Ängste der Gegenwart. Er erlaubt uns, uns selbst aus der Punk-Perspektive einer längst verschwundenen SM-Bohème neu zu betrachten und scheint zu einem Verrat an der Gegenwart aufzufordern. (Quelle: d21-leipzig.de)