Obscurity (Kiev Version)
Werk
Die Dia-Projektion "Obscurity – Kiev Version" besteht aus schwarz/weißen Dias, die auf eine schwarze (negative) Oberfläche projiziert werden. Die Bilder, aufgenommen in Vororten und im Zentrum Kievs, zeigen Alltagssituationen im öffentlichen Raum: private Bilder aus Wohnungen, leere schneebedeckte Flächen, Menschengruppen im Gespräch, aber auch historische Gebäude, die Schauplatz eines berühmten Aufstandes während der russischen Revolution waren. Sie werden von kurzen Fragmenten einer lakonischen Unterhaltung unterbrochen, die Fragen des Verhältnisses zur Macht zum Thema hat – ein Zitat aus Jean-Luc Godards JLG/JLG (1994):
What have you lost?
What is this obscurity?
Ask rather, what is a government.
A group of people who govern.
No, he said with a pale smile.
A government is your accepting to let yourself be governed.
But that´s ridiculous.
That would mean there is nothing up there.
Nothing at all.
Exactly.
Is that obscurity?
Exactly.
Self-portrait.
„TRANSMISSION ATTEMPTS überzeichnet eine Montage von Szenen aus Filmen von Straub/Huillet, Jean-Luc Godard und Pierre Gorin, sowie Harun Farocki und Andrej Ujica. Diese Montage erzeugt keine neue oder auf neue Weise kohärente Erzählung. Stattdessen ist Zeyfang an der Spannung interessiert, die diese Filme zwischen den politischen und ästhetischen Funktionen des Film- und Videomediums selbst erzeugen. Die Art, wie er insbesondere den Farocki/Ujica-Film Videogramme einer Revolution verwendet, stellt TRANSMISSION ATTEMPTS in einen Diskurs über Video als dokumentarisches und propagandistisches Medium, als gesendetes Medium, welches das Potenzial besitzt, eine Öffentlichkeit zu erreichen, zu bilden und zu politisieren. Die gezeichneten Szenen von rumänischen Demonstranten auf den Barrikaden, die im Begriff sind, von der Fernsehstation zu senden, die sie Ceaucescu gerade entrissen haben, transportieren daher nicht die spezifische Politik dieser Situation sondern eine Bedeutung zweiter Ordnung, bei der es um eine der Rollen ausgestrahlter Bilder geht. Auf ähnliche Weise benutzt Zeyfang Sequenzen aus Tout Va Bien, die die Mühe eines Filmemachers, kommerzielle, künstlerische und politische Ambitionen unter einen Hut zu bringen, vermitteln. Von Bedeutung ist, dass TRANSMISSION ATTEMPTS zumindest drei Mal zueiner Szene des Farocki/Ujica-Films zurückkehrt, in der es zu einer technischen Panne bei der Übertragung kommt. Den Höhepunkt bei dem Versuch der Opposition, das eigene Bild unter ihre Kontrolle zu bringen, zeichnet Zeyfang als ein kaleidoskopisches weißes Rauschen, bestehend aus Linien und Pixeln. In einem Augenblick der politische Sieg, im nächsten der Zusammenbruch. Dieses wiederkehrende Bild eines Sendefehlers, die Durchkreuzung der revolutionären Unmittelbarkeit des Mediums, ist für jemand aus Zeyfangs Generation wichtig. Für sie ist der politische Kampf in seinen traditionellen Formen der Bildvermittlung an sich bereits problematisiert, dabei eventuell gar unerreichbar. In diesem Sinne ist das Pathos in TRANSMISSION ATTEMPTS weniger ein Resultat der Distanz als vielmehr der Präsenz; es wird weniger von der Unzulänglichkeit der Kritik in Anbetracht ihres totalisierenden Objekts erzeugt, als von einer grundlegenden Ambivalenz hinsichtlich der Ideologien, die jene Kritik zuallererst motivieren.“
(Aus: Bennett Simpson, „Die alten Diskussionen“, in: Fokussy. Florian Zeyfang, Berlin 2004)
What have you lost?
What is this obscurity?
Ask rather, what is a government.
A group of people who govern.
No, he said with a pale smile.
A government is your accepting to let yourself be governed.
But that´s ridiculous.
That would mean there is nothing up there.
Nothing at all.
Exactly.
Is that obscurity?
Exactly.
Self-portrait.
„TRANSMISSION ATTEMPTS überzeichnet eine Montage von Szenen aus Filmen von Straub/Huillet, Jean-Luc Godard und Pierre Gorin, sowie Harun Farocki und Andrej Ujica. Diese Montage erzeugt keine neue oder auf neue Weise kohärente Erzählung. Stattdessen ist Zeyfang an der Spannung interessiert, die diese Filme zwischen den politischen und ästhetischen Funktionen des Film- und Videomediums selbst erzeugen. Die Art, wie er insbesondere den Farocki/Ujica-Film Videogramme einer Revolution verwendet, stellt TRANSMISSION ATTEMPTS in einen Diskurs über Video als dokumentarisches und propagandistisches Medium, als gesendetes Medium, welches das Potenzial besitzt, eine Öffentlichkeit zu erreichen, zu bilden und zu politisieren. Die gezeichneten Szenen von rumänischen Demonstranten auf den Barrikaden, die im Begriff sind, von der Fernsehstation zu senden, die sie Ceaucescu gerade entrissen haben, transportieren daher nicht die spezifische Politik dieser Situation sondern eine Bedeutung zweiter Ordnung, bei der es um eine der Rollen ausgestrahlter Bilder geht. Auf ähnliche Weise benutzt Zeyfang Sequenzen aus Tout Va Bien, die die Mühe eines Filmemachers, kommerzielle, künstlerische und politische Ambitionen unter einen Hut zu bringen, vermitteln. Von Bedeutung ist, dass TRANSMISSION ATTEMPTS zumindest drei Mal zueiner Szene des Farocki/Ujica-Films zurückkehrt, in der es zu einer technischen Panne bei der Übertragung kommt. Den Höhepunkt bei dem Versuch der Opposition, das eigene Bild unter ihre Kontrolle zu bringen, zeichnet Zeyfang als ein kaleidoskopisches weißes Rauschen, bestehend aus Linien und Pixeln. In einem Augenblick der politische Sieg, im nächsten der Zusammenbruch. Dieses wiederkehrende Bild eines Sendefehlers, die Durchkreuzung der revolutionären Unmittelbarkeit des Mediums, ist für jemand aus Zeyfangs Generation wichtig. Für sie ist der politische Kampf in seinen traditionellen Formen der Bildvermittlung an sich bereits problematisiert, dabei eventuell gar unerreichbar. In diesem Sinne ist das Pathos in TRANSMISSION ATTEMPTS weniger ein Resultat der Distanz als vielmehr der Präsenz; es wird weniger von der Unzulänglichkeit der Kritik in Anbetracht ihres totalisierenden Objekts erzeugt, als von einer grundlegenden Ambivalenz hinsichtlich der Ideologien, die jene Kritik zuallererst motivieren.“
(Aus: Bennett Simpson, „Die alten Diskussionen“, in: Fokussy. Florian Zeyfang, Berlin 2004)