Hippo Narcissus

Werk


5 Short Films ( )
Evelyn Rüsseler    → Biografie anzeigen   
Deutschland
2009
Englisch

Diese Video-Miniatur entstand aus einem Material, das am Rande des Drehs zu „Teddys Beastiary“ an einem Tag im Berliner Zoo aufgenommen wurde, und eigentlich als Umschnitt-Material vorgesehen war. Das Lustige war, dass Vaginal und ich während der Mittagspause relativ planlos bei den Nilpferdbecken rumhingen.. das ganze Team war irgendwo verstreut.

Und wir beobachteten das Nilpferdjunge durch die Scheibe und wurden immer angeregter durch die Schwimmübungen, die es offensichtlich vor der Trennscheibe im Wasser vollführte, so als würde es immer wieder gegen sein Spiegelbild anschwimmen. Ich holte die Kamera, um ein paar Bilder zu machen als Vaginal plötzlich neben mir begann, zu sprechen.
Wie man auf dem Band hört, unterbricht sie sich kurz, um dann von mir ermuntert, weiterzusprechen. Und dann geht es los mit dieser wunderbaren Improvisation über Nilpferd-Narzißmus, Spiegelstadium, Attraktivität, Schminkpraxis und Begehren, bis hin zu Abhängigkeit, Einsamkeit und Verzweiflung. In diesem Moment isst das kleine Nilpferd gerade den Kot seiner Mutter (quasi als Versicherung seiner Selbst) ... und Miss Davis findet einen eleganten Schlussbogen.

Es war wie ein kleines Wunder á l`entracte, wie dieser Film uns in den Schoß fiel. Wir hatten noch nicht einmal das externe Mikrophon auf die Kamera gesetzt, weil wir nicht vorhatten, gesprochenen Text aufzunehmen. Imri, Vaginal und ich relaxten vor den riesigen Glasaquarien des Berliner Zoos. – Dann war die Mittagspause zu Ende und wir fuhren fort mit einem anstrengenden Drehtag. Ich hatte das Material total vergessen und war sehr froh, als es mir beim Sichten des Materials von „T.B“ in die Hände fiel. Der Film handelt von der Nilpferdbesessenheit in der Adorno-Familie und wird bis Ende des Jahres 2010 fertiggestellt sein.
Die Adorno-Familie hatte lange eine Nilpferd-Patenschaft für „Lieschen“ aus dem Frankfurter Zoo; während der Emigrationsjahre in New York hatten Adornos Eltern die Nilpferdstute „Rosalie“ als Patentier. Die Familienmitglieder redeten sich in Briefen gern mit den Titelagen „Wundernilstute Marinumba“ oder „Wildschweinkönig Archibald“ an. (Text: Evelyn Rüsseltier)