Käfig
Werk
Karl Kels
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Karl Kels, geboren 1960 in Düsseldorf. Er studierte von 1980 - 85 in der Filmklasse Peter Kubelkas an der Städelschule in Frankfurt/M. Nach dem Studium erhielt er zahlreiche Stipendien, u.a. das Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes für New York, wo er an der Cooper Union bei Robert Breer studierte. Seit 1991 nahm Karl Kels Lehraufträge an der Gesamthochschule Kassel und an der Frankfurter Städelschule wahr. 1995 ist er Mitbegründer der „Initiative Experimentalfilm“, seit 1996 lehrt er an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/M. Karl Kels' Arbeiten im Bereich Fotografie, Experimentalfilm und Installation sind auf internationalen Ausstellungen und Festivals vertreten. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin. Die Filme von Karl Kels "Karl Kels lässt einen das überragende Potential des Films als einer visuellen Sprache aufs neue entdecken. Der an der Frankfurter Städelschule ausgebildete Kels hat bei der Erarbeitung seiner unvergleichlichen Methode recht schnell einen einsamen Weg eingeschlagen: er führt bei seinen Filmen nicht nur Regie, sondern ist gleichzeitig Produzent, Kameramann und Cutter. Überdies entwickelt er sein Material in einem eigens für diesen Zweck eingerichteten Labor. Das Ergebnis dieser lückenlosen Steuerung des kreativen Ablaufs sind Filme von außergewöhnlicher Güte. Kels interessiert sich für die nichtinszenierte oder „echte“ Welt. Er untersucht die angetroffene Realität auf eine Weise, die sowohl deren Authentizität als auch das Subjektive in der Wahrnehmung ebendieser Realität in Frage stellt. Obwohl er „Fiktion“ kreiert, schöpft er unverkennbar aus einer Situation, die er, abgesehen von seinen Dreh- und Montageentscheidungen, nicht in der Hand hat. Wo traditionelle Filmemacher alle erdenklichen Register ziehen, um eine kinematografische Wirklichkeit zu erzeugen, welche in ihrer synthetischen Einheit schließlich die Einzelelemente der realen Wirklichkeit verhüllt, wird Kels von der Unabhängigkeit dieser bei ihm einen neuen Sinn erhaltenden Elemente gefesselt, und er steckt sich selbst Grenzen, um seine Absichten umsetzen zu können. Kels erfasst das „Ungestellte“. Irgendwohin gehend und seine Kamera postierend, antizipiert er bereits eine Handlung oder eine Bewegung. Er wählt Motive, die aufgrund ihrer Eigenart schwer zu inszenieren sind: Heustapel auf einem Feld, Stare am Himmel, Alkoholiker auf der Strasse oder Nashörner und Nilpferde im Zoo. Meistens bedient er sich der FesteinsteIlung. Seine Kamera bewegt sich nie. Bewegungen erscheinen statt dessen entweder als vorweggenommener Vorgang innerhalb der einzelnen Aufnahme (was einigen trotz ihrer Kürze ein tiefes Zeitempfinden verleiht) oder werden im Schneideraum durch die Verbindung der Sequenzen geschaffen. Die statische Kamera, die die Objekte häufig frontal einfängt, präsentiert eine konstante Kadrierung und bietet für viele seiner Filmwerke einen aussagekräftigen Bezugsrahmen. Diese Immobilität scheint jedes Bild (mit all seinen Bestandteilen) in seiner natürlichen Komposition zu „beleben“, so dass keine der visuellen Möglichkeiten ungenutzt bleibt. Das Augenmerk des Filmers richtet sich auf das Fragmentarische, genauer gesagt auf das Einzelbild als kleinste filmische Größe, das in seiner Unteilbarkeit einen kompletten Kosmos einschließt. Kels' Filme bestehen aus wenigen oder nur einer Einstellung. Dennoch wird immer wieder jedes einzelne Bild einer jeden Einstellung innovativ und unüblich verwendet, und zwar jeweils einmal. Rhythmus und Bewegung stellen den Schlüssel zu Kels' Montage dar. Unabhängige Bilder interagieren in einer präzisen Choreographie. Das Fehlen von Ton und Musik unterstreicht das kraftvolle Zusammenwirken von Bewegung, Intervallen und unkonventioneller Dauer und macht die Musikalität des cineastischen Idioms desto greifbarer. Bei der Montage sucht Kels den Punkt, an dem sich das Aufgezeichnete und seine eigene Intentionen „überlagern“. Gebannt vom Paradox zwischen der scheinbaren Zufälligkeit natürlicher Bewegungen und dem ständig Wiederkehrenden, das vieles bei Mensch und Tier zu typisieren scheint, überzieht Kels seine uninszenierten Ereignisse in einigen Filmen mit einem metrischen Muster. Seine Arbeiten, die alles andere als simple, schematische Experimente sind und nichts übertrieben Gekünsteltes haben, entfalten sich zu einem intelligenten Spiel mit Ordnung und Chaos, Wiederholung und Wechsel, Erwartung und Überraschung, Altem und Neuem. Auf symbolischem und filmischem Niveau eröffnen sich Welten voller Kontraste, Spannungen und Dialoge und entfachen, vielfach von einem subtilen Humor durchzogen, ein breites Spektrum an Assoziationen und Gefühlen. Kels entwirft große Teile seiner Filme im Kopf, fernab des Montage-Tisches. Obwohl er zu Hause einen Steenbeck hat, befürchtet er, dass dieser, zu oft eingesetzt, eine gefährliche und unproduktive Maschine werden könne. Der ungewöhnliche Charakter von Kels' Werk beruht auf seiner Fähigkeit zur Bloßlegung herkömmlicher Film- und Schnittmethoden und zur Errichtung eines provokativen, nichtnarrativen Raums, in dem sich Bild, Einstellung und Sequenz in einem kunstvollen Reigen mit der tatsächlichen und der verdichteten Zeit ganz bewusst auf die Realität sowie auf sich selbst (als mehr oder weniger durchkomponierte Filmeinheiten) beziehen. Er ist ganz Herr seiner Kunst und kennt seine Materie in- und auswendig. Gerade diese Individualität und diese vollständige Beherrschung des schöpferischen Prozesses geben ihm die erforderliche Freiheit, um sein einzigartiges Filmkonzept ständig zu verfeinern. Für diejenigen, die Kels' Filme gesehen haben, wird die Widersprüchlichkeit von Fiktion und Wirklichkeit noch faszinierender." (Miryam van Lier, Visions du Réel, Nyon 1996)
Karl Kels, geboren 1960 in Düsseldorf. Er studierte von 1980 - 85 in der Filmklasse Peter Kubelkas an der Städelschule in Frankfurt/M. Nach dem Studium erhielt er zahlreiche Stipendien, u.a. das Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes für New York, wo er an der Cooper Union bei Robert Breer studierte. Seit 1991 nahm Karl Kels Lehraufträge an der Gesamthochschule Kassel und an der Frankfurter Städelschule wahr. 1995 ist er Mitbegründer der „Initiative Experimentalfilm“, seit 1996 lehrt er an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/M. Karl Kels' Arbeiten im Bereich Fotografie, Experimentalfilm und Installation sind auf internationalen Ausstellungen und Festivals vertreten. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin. Die Filme von Karl Kels "Karl Kels lässt einen das überragende Potential des Films als einer visuellen Sprache aufs neue entdecken. Der an der Frankfurter Städelschule ausgebildete Kels hat bei der Erarbeitung seiner unvergleichlichen Methode recht schnell einen einsamen Weg eingeschlagen: er führt bei seinen Filmen nicht nur Regie, sondern ist gleichzeitig Produzent, Kameramann und Cutter. Überdies entwickelt er sein Material in einem eigens für diesen Zweck eingerichteten Labor. Das Ergebnis dieser lückenlosen Steuerung des kreativen Ablaufs sind Filme von außergewöhnlicher Güte. Kels interessiert sich für die nichtinszenierte oder „echte“ Welt. Er untersucht die angetroffene Realität auf eine Weise, die sowohl deren Authentizität als auch das Subjektive in der Wahrnehmung ebendieser Realität in Frage stellt. Obwohl er „Fiktion“ kreiert, schöpft er unverkennbar aus einer Situation, die er, abgesehen von seinen Dreh- und Montageentscheidungen, nicht in der Hand hat. Wo traditionelle Filmemacher alle erdenklichen Register ziehen, um eine kinematografische Wirklichkeit zu erzeugen, welche in ihrer synthetischen Einheit schließlich die Einzelelemente der realen Wirklichkeit verhüllt, wird Kels von der Unabhängigkeit dieser bei ihm einen neuen Sinn erhaltenden Elemente gefesselt, und er steckt sich selbst Grenzen, um seine Absichten umsetzen zu können. Kels erfasst das „Ungestellte“. Irgendwohin gehend und seine Kamera postierend, antizipiert er bereits eine Handlung oder eine Bewegung. Er wählt Motive, die aufgrund ihrer Eigenart schwer zu inszenieren sind: Heustapel auf einem Feld, Stare am Himmel, Alkoholiker auf der Strasse oder Nashörner und Nilpferde im Zoo. Meistens bedient er sich der FesteinsteIlung. Seine Kamera bewegt sich nie. Bewegungen erscheinen statt dessen entweder als vorweggenommener Vorgang innerhalb der einzelnen Aufnahme (was einigen trotz ihrer Kürze ein tiefes Zeitempfinden verleiht) oder werden im Schneideraum durch die Verbindung der Sequenzen geschaffen. Die statische Kamera, die die Objekte häufig frontal einfängt, präsentiert eine konstante Kadrierung und bietet für viele seiner Filmwerke einen aussagekräftigen Bezugsrahmen. Diese Immobilität scheint jedes Bild (mit all seinen Bestandteilen) in seiner natürlichen Komposition zu „beleben“, so dass keine der visuellen Möglichkeiten ungenutzt bleibt. Das Augenmerk des Filmers richtet sich auf das Fragmentarische, genauer gesagt auf das Einzelbild als kleinste filmische Größe, das in seiner Unteilbarkeit einen kompletten Kosmos einschließt. Kels' Filme bestehen aus wenigen oder nur einer Einstellung. Dennoch wird immer wieder jedes einzelne Bild einer jeden Einstellung innovativ und unüblich verwendet, und zwar jeweils einmal. Rhythmus und Bewegung stellen den Schlüssel zu Kels' Montage dar. Unabhängige Bilder interagieren in einer präzisen Choreographie. Das Fehlen von Ton und Musik unterstreicht das kraftvolle Zusammenwirken von Bewegung, Intervallen und unkonventioneller Dauer und macht die Musikalität des cineastischen Idioms desto greifbarer. Bei der Montage sucht Kels den Punkt, an dem sich das Aufgezeichnete und seine eigene Intentionen „überlagern“. Gebannt vom Paradox zwischen der scheinbaren Zufälligkeit natürlicher Bewegungen und dem ständig Wiederkehrenden, das vieles bei Mensch und Tier zu typisieren scheint, überzieht Kels seine uninszenierten Ereignisse in einigen Filmen mit einem metrischen Muster. Seine Arbeiten, die alles andere als simple, schematische Experimente sind und nichts übertrieben Gekünsteltes haben, entfalten sich zu einem intelligenten Spiel mit Ordnung und Chaos, Wiederholung und Wechsel, Erwartung und Überraschung, Altem und Neuem. Auf symbolischem und filmischem Niveau eröffnen sich Welten voller Kontraste, Spannungen und Dialoge und entfachen, vielfach von einem subtilen Humor durchzogen, ein breites Spektrum an Assoziationen und Gefühlen. Kels entwirft große Teile seiner Filme im Kopf, fernab des Montage-Tisches. Obwohl er zu Hause einen Steenbeck hat, befürchtet er, dass dieser, zu oft eingesetzt, eine gefährliche und unproduktive Maschine werden könne. Der ungewöhnliche Charakter von Kels' Werk beruht auf seiner Fähigkeit zur Bloßlegung herkömmlicher Film- und Schnittmethoden und zur Errichtung eines provokativen, nichtnarrativen Raums, in dem sich Bild, Einstellung und Sequenz in einem kunstvollen Reigen mit der tatsächlichen und der verdichteten Zeit ganz bewusst auf die Realität sowie auf sich selbst (als mehr oder weniger durchkomponierte Filmeinheiten) beziehen. Er ist ganz Herr seiner Kunst und kennt seine Materie in- und auswendig. Gerade diese Individualität und diese vollständige Beherrschung des schöpferischen Prozesses geben ihm die erforderliche Freiheit, um sein einzigartiges Filmkonzept ständig zu verfeinern. Für diejenigen, die Kels' Filme gesehen haben, wird die Widersprüchlichkeit von Fiktion und Wirklichkeit noch faszinierender." (Miryam van Lier, Visions du Réel, Nyon 1996)
Deutschland
2009
Kein Dialog
2010
Einerseits ist ein Käfig eine reale Sache, andererseits kann er auch als Metapher für verschiedene existentielle Zustände begriffen werden. Der Film Käfig versucht diese beiden Bedeutungsebenen zu erzeugen und zum Ausdruck zu bringen. Das ursprüngliche Material des Films besteht aus zwei Einstellungen, die Kels im Frankfurter Zoo im Nashorngehege auf 35mm S/W Film aufgenommen hat. Mit Hilfe einer komplexen metrischen Montage, die auf 3360 Einzelschnitten beruht, wird der Naturalismus der repräsentativen Bilder und Bewegungen radikal dekonstruiert.
