Fatale Femme
Werk
Die Faszination, die Filme mit Marlene Dietrich oder Joan Crawford auf Frauen ausüben, wird vor allem bestimmt durch eine ,,weibliche" Macht über die Männer. Eine private und sexuelle Macht, die die Männer süchtig macht Eine fatale Illusion, die gesellschaftliche Ohnmacht durch eine private Macht kompensieren zu wollen. Simone de Beauvoir schreibt: ,,Die Gottesanbeterin, die aus dem Männchen ihr Werkzeug zu machen versucht, bringt es nicht fertig, sich dadurch von ihm freizumachen; denn um es zu fesseln, muß es ihm gefallen." (Claudia Schillinger) Fatale Femme ist ein grauer, sehr privater, fast statischer Film, ein in der Tiefe der Materialität des Filmstreifens gebrochener Schaukasten sexueller Posen, ein erotisches Spiel mit der Rolle der Hure, die ,,Träume von Wollust und Trauer erregt; Vorstellungen von Melancholie, Mattigkeit, ja Übersättigung weckt" (Beaudelaire). Claudia Schillingers Film dokumentiert in einer linearen Abfolge pulsierender Standbilder das ambivalente Gefühl der Filmemacherin gegenüber einer lasziven Körperlichkeit, das außer durch weibliche Rollenkonflikte auch durch die Antipoden Beherrschung und Hingabe geprägt wird. In Fatale Femme wird diese Auseinandersetzung dabei nicht in einer oberflächlichen Kommentierung artikuliert, sondern fließt direkt in die Ästhetik des Films ein. Während der Film einerseits mit Bildern arbeitet, deren Komposition und Zeichen den bekannten Mustern männlicher Erwartung an die Frau als Objekt der Begierde entsprechen, werden andererseits diese Bilder durch materiale Bearbeitung gebrochen, die zugleich als Synonym für den Rhythmus einer emotionalen Gegenbewegung interpretierbar ist. Dabei entstehen neue Bildzusammenhänge mit einer eigenartigen erotischen Ausstrahlung, die, weil nicht aus dem fotografischen Ausgangsmaterial resultierend, die Qualität dieses Films mitbestimmen. (Fred Snow)