Proprio aperto
Werk
Judith Hopf
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Deutschland, USA
2005
Englisch
Die als Single-Channel-Video und Installation angelegte Arbeit PROPRIO APERTO, die im Februar 2005 im Museum of Contemporary Art, Chicago in der Ausstellung „Universal Experience: Art, Life and the Tourist’s Eye“ zum ersten Mal präsentiert wurde, zeigt einen Spaziergang durch die Giardini, das Gelände der Biennale von Venedig, im Winter.
Die dabei von Judith Hopf, Natascha Sadr Haghighian und Florian Zeyfang geführten Gespräche resultieren in einem Text, der um Ruinenlandschaften, Gespenster und das Dasein in der Kulturhegemonie kreist. Die Bilder – eigentlich Fotos – werden in langsamen Schwenks abgetastet, wobei der unterschiedliche Zerstörungsgrad der Pavillons mehr und mehr in den Mittelpunkt rückt.
Im Gestus der Sprachtönung vermittelt sich kongenial die während eines Spaziergangs sich einstellende kontemplative Stimmung, die sich auf den Zuschauer überträgt.
Konzeption der Installation:
Die Projektion richtet sich, wenn irgend möglich, auf eine Scheibe (Fenster, Tür) nach außen. Auf dieser Scheibe wird großzügig mit einem Schaumstoffroller Buttermilch aufgetragen (eine übliche Methode, um Fensterscheiben undurchsichtig zu machen, da Buttermilch undurchsichtig-milchig abtrocknet). Der Projektor kann vom Boden oder von der Decke das Bild so projizieren, dass es von innen wie von außen sichtbar ist. Ist keine Fenster/Türscheibe vorhanden, die diesen Bedingungen entspricht, wird die Projektion auf die Wand geworfen.
Technische Anforderungen: Lichtstarker Projektor, 1 Soundsystem (oder 2, wenn Außenton möglich), Kabel, Buttermilch.
Original Audio-Aufnahme PROPRIO APERTO (dt. Übersetzung)
Der touristische Neugierde und der Neigung zur Kontemplation, Parklandschaften, Spazierengehen, war es wohl geschuldet, dass wir 1998 das die Giardini, das Gelände der Biennale in Venedig außerhalb der Biennalezeit aufsuchten. An einem Wintertag fanden wir das Pavillongelände und die darauf erbauten, den verschiedenen Nationen zugeordneten Architekturen verbarrikadiert und zugenagelt oder, wenn nicht derart vor Vandalismus und Aneignung geschützt, umgenutzt vor. Leute, die sich für temporäre Wohnkonzepte entschieden haben oder auf diese Lebensform aus politischen und sozialen Gründen angewiesen sind, waren in einige der Pavillons gezogen, um sie zu besetzen. Diese Umnutzung schien teilweise mit einer augenscheinlichen Gegenenergie gegen die gesellschaftlichen Normen verknüpft zu sein, deutlich zu erkennen durch Graffitis und Wandzeichnungen, die auf Gruppenzusammenhänge verwiesen, die sich als gegenkulturell verstehen. (...) Durch Umbauten an den Architekturen, die auf der einen Seite ein Wohnen in einer derartigen Architektur überhaupt ermöglichen, den Aneignungsprozess sichtbar machen und gestalten, sie aber auf der anderen Seite auch derart beeinflussen, dass die Pavillons der Witterung ausgesetzt sind und tatsächlich auch schnell einen Ruinencharakter annehmen (will heißen: die Dinger sind einfach zielgerichtet gebaut, beziehungsweise auf ihre Funktion zur Party hin exemplarisch zu verstehen und nur schwer anders zu gebrauchen). Eingriffe wie das Einwerfen der Glaselemente, von Türen und Fenstern, die Umgestaltung von Architekturelementen wie Türen und Ausstellungsarchitekturelementen, um Mobiliar zu errichten, nicht zuletzt die Benutzung von Ausstellungsflächen, um der eigenen Vorstellung von „Party“ und Ästhetik Rechnung zu tragen etc… Irgendwie waren die neuen Bewohner und Künstler nicht anwesend, anzunehmen, dass sie natürlich tagsüber ihren Interessen folgten, oder, im ungünstigen Fall, entdeckt und vertrieben wurden, so ergab sich jedenfalls keine Möglichkeit der Rücksprache (wenn es uns überhaupt gelingen könnte, miteinander zu sprechen, wohlwissend, dass wir uns im „Gegen“-Dings befinden, oder im Raum des Anderen – was ja die Erfahrungserwartung und das Versprechen im touristischen Sinne prägt). Jedenfalls ergab sich unter uns ein Gespräch außerhalb der Vogelperspektive auf die Gesellschaft, welche Blicke sich von uns auf diese Ausstellungen ergeben, denn die Frage des „ausgestellt sein“ wurde sehr deutlich aufgegriffen. Diesem Gespräch versuchen wir nun unter Berücksichtigung der kulturellen und politischen Machtverhältnisse nachzugehen und wagen eine Fiktion zur Geschichte der Ausstellung, von Aneignung, von der Erfahrung der Rückaneignung, von Verweigerungs- und Gegenkultur, und der Erwartungshaltung gegenüber dem Verschlossenen, uns Ausschließenden, da ohne Kommunikationsangebot verharrend, anzubieten.
Original Audio-Aufnahme PROPRIO APERTO (dt. Übersetzung)
Der touristische Neugierde und der Neigung zur Kontemplation, Parklandschaften, Spazierengehen, war es wohl geschuldet, dass wir 1998 das die Giardini, das Gelände der Biennale in Venedig außerhalb der Biennalezeit aufsuchten. An einem Wintertag fanden wir das Pavillongelände und die darauf erbauten, den verschiedenen Nationen zugeordneten Architekturen verbarrikadiert und zugenagelt oder, wenn nicht derart vor Vandalismus und Aneignung geschützt, umgenutzt vor. Leute, die sich für temporäre Wohnkonzepte entschieden haben oder auf diese Lebensform aus politischen und sozialen Gründen angewiesen sind, waren in einige der Pavillons gezogen, um sie zu besetzen. Diese Umnutzung schien teilweise mit einer augenscheinlichen Gegenenergie gegen die gesellschaftlichen Normen verknüpft zu sein, deutlich zu erkennen durch Graffitis und Wandzeichnungen, die auf Gruppenzusammenhänge verwiesen, die sich als gegenkulturell verstehen. (...) Durch Umbauten an den Architekturen, die auf der einen Seite ein Wohnen in einer derartigen Architektur überhaupt ermöglichen, den Aneignungsprozess sichtbar machen und gestalten, sie aber auf der anderen Seite auch derart beeinflussen, dass die Pavillons der Witterung ausgesetzt sind und tatsächlich auch schnell einen Ruinencharakter annehmen (will heißen: die Dinger sind einfach zielgerichtet gebaut, beziehungsweise auf ihre Funktion zur Party hin exemplarisch zu verstehen und nur schwer anders zu gebrauchen). Eingriffe wie das Einwerfen der Glaselemente, von Türen und Fenstern, die Umgestaltung von Architekturelementen wie Türen und Ausstellungsarchitekturelementen, um Mobiliar zu errichten, nicht zuletzt die Benutzung von Ausstellungsflächen, um der eigenen Vorstellung von „Party“ und Ästhetik Rechnung zu tragen etc… Irgendwie waren die neuen Bewohner und Künstler nicht anwesend, anzunehmen, dass sie natürlich tagsüber ihren Interessen folgten, oder, im ungünstigen Fall, entdeckt und vertrieben wurden, so ergab sich jedenfalls keine Möglichkeit der Rücksprache (wenn es uns überhaupt gelingen könnte, miteinander zu sprechen, wohlwissend, dass wir uns im „Gegen“-Dings befinden, oder im Raum des Anderen – was ja die Erfahrungserwartung und das Versprechen im touristischen Sinne prägt). Jedenfalls ergab sich unter uns ein Gespräch außerhalb der Vogelperspektive auf die Gesellschaft, welche Blicke sich von uns auf diese Ausstellungen ergeben, denn die Frage des „ausgestellt sein“ wurde sehr deutlich aufgegriffen. Diesem Gespräch versuchen wir nun unter Berücksichtigung der kulturellen und politischen Machtverhältnisse nachzugehen und wagen eine Fiktion zur Geschichte der Ausstellung, von Aneignung, von der Erfahrung der Rückaneignung, von Verweigerungs- und Gegenkultur, und der Erwartungshaltung gegenüber dem Verschlossenen, uns Ausschließenden, da ohne Kommunikationsangebot verharrend, anzubieten.