The Making Of

Werk


Viola Stephan    → Biografie anzeigen   
Deutschland, Luxemburg
2005
Englisch, Deutsch, Russisch

Dieser vielschichtige, anregende Dokumentarfilm von Viola Stephan versucht bei seiner Recherche über die Fortschritte und Ansätze in der Hirnforschung gleichzeitig über das Medium Film selbst zu reflektieren.
In vielen Anläufen kreist die filmische Untersuchung um den Prozess der Wahrnehmung, um die - um unsere - Konstruktion der Wirklichkeit. Viele Experten geben Auskunft und gewähren Einblicke in ihre Arbeit. Neurobiologen, Neuroinformatiker, Neurophysiologen, Tierversuche und sogar ein semidokumentarisches "Selbstexperiment" der Filmemacher umreißen das weltallgroße und in seinem Funktionieren immer noch weithin unbekannte "Forschungsfeld Hirn". All diese Arbeitsergebnisse, Arbeitshypothesen, Theorien, Erkenntnisse und Vermutungen werden jedoch nicht "enzyklopädisch" im Sinne eines Lehr- und Informationsfilms vermittelt. Oft sind sie das freie Material essayistischer Betrachtungen und Montagen, unverknüpfte Neuronen-Botschaften sozusagen, die in den Kinosaal eruptieren. Der zitternde Gang von Stabheuschrecken, Eulen mit Elektroden im Kopf, ein nach dem Zufallsprinzip gerührter Teig, ein Gemälde von Salvador Dali, teilweise sehr eloquente Forscher-Philosophen, ein vielstimmiges Stimmenorchester versammelt der spielerisch strukturierte Essayfilm. Die Wahrnehmung des Bewertungsausschusses entsprach so folgerichtig dem vom Film selbst artikulierten Wahrnehmungspostulat, das der Künstler Max Slevogt einst kurz und bündig formulierte: "Das Auge sieht nur, was es weiß." Der Gedächtnisanteil beim Sehen ist sehr hoch, wir Menschen ersetzen quasi die Abbilder durch eine Fiktion. Jeder sieht etwas anderes, etwas eigenes, obwohl es für alle die gleichen Bilder sind.
(Text: Filmbewertungsstelle Wiesbaden)