L'Chayim, Comrade Stalin
Werk
m Frühjahr 2000 begab sich Yale Strom auf die beschwerliche Reise nach Birobidshan, der Hauptstadt des Jüdischen Autonomen Gebiets an der östlichen Grenze Sibiriens. Auf seiner siebentägigen Zugreise mit der Transsibirischen Eisenbahn wird er von seinem Übersetzer und Bodyguard, Slawa Andrejowitsch, einem ehemaligen KGB-Mann, begleitet. Dabei entdeckt er, dass Slawa der Enkel von Michail Kalinin ist, dem ‘Präsidenten’ der Sowjetunion (Vorsitzender des Obersten Sowjets) und Wegbereiter des Jüdischen Autonomen Gebiets. Doch Slawa entpuppt sich auch als ein ausgesprochener Antisemit, obwohl er Yale gut leiden kann. Die endlose Zugreise und der beiläufige Antisemitismus der russischen Mitreisenden lassen Yale Strom ahnen, wie die Erfahrungen der ersten jüdischen Pioniere gewesen sein müssen, die sich 1928 in dieser Region ansiedelten. Die Interviews ergeben ein eindrückliches Bild von der Situation, die sich aber auch in Archivaufnahmen und in Ausschnitten aus Die Glücksucher (W. Korsch-Sablin, UdSSR 1936), einem der wenigen sowjetischen Propaganda-Filme über Birobidshan, widerspiegeln. So entsteht ein lebendiges Porträt über die Lebensbedingungen der damals jungen ersten Siedler des Jüdischen Autonomen Gebiets, den Befürwortern des wiedererwachten Interesses für jiddische Kultur und eines einmaligen Kapitels sowjetischer und jüdischer Geschichte.
