Nahja no mura

Werk


Nadjas Dorf
Nadya's village
Motohashi Seeichi    → Biografie anzeigen   
Japan
1997
Japanisch, Russisch
1998
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In den frühen Morgenstunden des 26. Aprils 1986 explodierte das Atomkraftwerk Tschernobyl, das damals noch zur Sowjetunion gehörte und heute Teil der Ukraine ist. Diese tragische Explosion wird als die größte Katastrophe in der Geschichte der Wissenschaft und Technologie bezeichnet. Die Menschen der gesamten nördlichen Hemisphäre waren der Gefahr von radioaktiver Umweltverschmutzung ausgesetzt. Der Landstrich Gomel, der sich in der Nähe von Tschernobyl befindet und im jetzigen Weißrussland liegt, verfügte vor dem Unglück über fruchtbaren Boden, auf dem Kartoffeln, Gerste und andere landwirtschaftliche Produkte angebaut wurden. Kurz nach der Explosion verteilte ein einsetzender starker Wind Radioaktivität über das gesamte Gebiet und verwandelte die Erde in verseuchtes und totes Land. Als wir uns dem Dorf Dudichi (Landkreis Tschetschersk in Gomel) nähern wollten, forderte man uns auf umzukehren, weil die Gegend immer noch stark radioaktiv belastet sei (1,48 x 10 Bq pro Quadratkilometer). Fast alle der dreihundert dort lebenden Familien wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Nur sechs Familien blieben zurück. Sie meinten: „Wir können nicht davonlaufen.' Weil sie sich weigerten, in einen anderen Teil des Landes zu ziehen, nannte man sie 'Samosyol' (Egoisten). Nadja ist ein achtjähriges Mädchen aus Dudichi. Im Frühling breiten sich grüne Felder vor ihr aus, und im Sommer erntet sie das Getreide. Nach der Herbsternte beginnt der lange, harte Winter. Elf Jahre sind seit dem Unfall vergangen, und die Menschen, die noch immer im radioaktiv-verseuchten Gebiet wohnen, führen ihr eigenes Leben in der weiten Ebene Weißrußlands. Regisseur Seiichi Motohashi fuhr 1991 zum ersten Mal nach Tschernobyl, fünf Jahre nach dem Desaster. Er suchte sowohl Reaktor 4 des Atomkraftwerks auf wie auch die Krankenhäuser in der verseuchten Region. Seit fünf Jahren fährt er immer wieder zum Ort des Geschehens und photographiert die Menschen, die in diesem weiten Land leben und sich der radioaktiven Katastrophe mutig entgegenstellen. Der Film NADYA'S VILLAGE basiert auf dem Photobuch 'Mugen Houyou' des Regisseurs, das Menschen zeigt, die, obwohl das Land, wo sie leben, stark belastet ist, ein erfülltes Leben haben. Ein passendes Porträt dieser Menschen gelang Seiichi Motohashi nur, weil er mit den Dorfbewohnern zusammenlebte und an ihrem täglichen Leben teilnahm. Motohashi erklärte in diesem Zusammenhang, dass „ein Film nur aus der eigenen Beziehung zum Leben entstehen kann. ' In NADYA'S VILLAGE will er nicht erneut von der Tragödie sprechen. Stattdessen zeigt er ausführlich das Leben der Dorfbewohner. Auch wenn man auf den ersten Blick nicht glauben kann, dass das Land radioaktiv verseucht ist, ist das Leben hier schwierig. Doch trotzdem herrscht hier ein sehr starkes Gefühl von Autarkie. Der technische Fortschritt birgt große Risiken in sich, aber die Kraft des Lebens führt uns in die entgegengesetzte Richtung und macht es möglich, dass sich die vier Jahreszeiten immer wieder aufs Neue entfalten.