A Caixa

Werk


Die Büchse
Manoel de Oliveira    → Biografie anzeigen   
Portugal, Frankreich
1994
Russisch
1995
PDF
19. Mai 1994, Cannes

A CAIXA ist eine durch das gleichnamige Theaterstück von Prista Monteiro inspirierte Parabel, die zwischen Tragödie und Farce changiert. Die Handlung spielt auf den Straßentreppen eines Armenviertels in Lissabon und erzählt von einem alten blinden Mann, der beneidet wird, weil er eine "offizielle", genehmigte Almosenbüchse hat. Seine Tochter verrichtet nicht nur die ganze Hausarbeit, sondern arbeitet auch noch als Wäscherin. Ihr Freund, ein arbeitsloser Nichtstuer wie alle seine Freunde, lebt von ihrer Arbeit und vom Inhalt der Büchse. Als diese gestohlen wird, verdächtigt jeder jeden. Die Verwirrung wird noch größer, als ein anderer Blinder mit Bettelbüchse auftaucht. Die Angelegenheit führt zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung, die das Ausmaß einer Tragödie annimmt.

„Man könnte A CAIXA ein Porträt der Menschheit nennen, die durch eine Gruppe armer und am Rande der Gesellschaft lebender, um nicht zu sagen in Vergessenheit geratener Menschen dargestellt wird.“ (Manoel de Oliveira)

„Plötzliche Dada-Zuckungen - Reich versehen mit Elementen aus volkstümlichen Filmen der dreißiger Jahre, im Stil von Alfredo Duarte, mit Zuhältern und Prostituierten, sympathischen Gastwirten und betrunkenen Spitzeln, hat der Film mitunter plötzliche 'Dada'-Zuckungen, wie zum Beispiel das magisch-betörende nächtliche Ballett der kleinen Nymphen. Für eine Darstellung der kleinen Leute, dessen, was sie denken und woran sie leiden, ist das viel. Dem einfachen Volk das Wort zu erteilen, es zu idealisieren, ihm womöglich Mitleid entgegenzubringen, bedeutet immer, es noch mehr auszubeuten. De Oliveira stellt nicht dar. All die Angestellten, die Angehörigen der Mittelklasse, die politischen Parvenüs, die sich durch die Gassen von Portugal drängen - sie sehen nicht, was der Film zeigt: nicht die kleinen Leute aus dem Fernsehen nämlich, sondern ihre Wirklichkeit. Hier geht es nicht um die Musik von Salazar und die existentielle Traurigkeit der Aristokratie, die ihre Macht verloren hat, wie Amelia Rodriguez suggeriert, sondern um ein Wunder, das nur die Insel von Capo Verde hervorbringen konnte und von dem ohne diesen Film niemals irgendjemand erfahren hätte: dass es nämlich in Portugal niemandem gelingt, die zahllosen, neben all den amerikanisch anmutenden Einkaufszentren existierenden kleinen Läden der Schuhmacher und Bürstenverkäufer abzuschaffen.“ (Roberto Silvestri, in: II manifesto, Rom, 28. Mai 1994)