Bruxelles – Transit
Werk
Asynchron. Dokumentar- und Experimentalfilme zum Holocaust ( )
Belgien
1980
Jiddisch, Französisch
1981
1947 emigrierten Szlingerbaums Eltern, beide fünfundzwanzig Jahre alt, und sein zweijähriger Bruder aus Polen. Einreisepapiere hatten sie für Costa Rica, doch nach einer zehntägigen Reise durch das zerstörte Europa landeten sie, ausgestattet lediglich mit einem acht Tage gültigen Transitvisum, in Brüssel, wo eine Tante sie vorübergehend aufnahm. Dem biografischen Reisebericht stehen (vornehmlich Nacht-)Aufnahmen von Durchgangsorten gegenüber, die nur hin und wieder von Passanten schemenhaft durchquert werden: Eingangshallen, Bahnsteige, Gleise, Treppenaufgänge und Brückenunterführungen – zeitgenössische Aufnahmen jenes Viertels um den Bahnhof Bruxelles-Midi, in dem die Eltern 1980 noch lebten. Es sind Schauspieler, die in diesen Bildern, regungslos auf Bahnhofsbänken wartend, als Szlingerbaums Eltern auftreten. Durch sie wird ein zentrales Moment des Films deutlich: Die Vergangenheit bewohnt hier gewissermaßen die Gegenwart.
