Verbotene Bilder
Werk
Ein Zimmer oben im Schlachthof. Während unten die Tiere zerlegt
werden, spielt oben ein Erwachsener, mit sich allein, Szenen der
frühpubertären Kindheit nach. Die Frau im Schlachthofzimmer
schert ihm den Kopf kahl. Der Mann liest eine Geschichte der
hemmungslosen Scheherazade vor. Die Kinder kochen munter
den Hundekadaver, und der Erwachsene legt entschlossen seine
privaten Teile der Öffentlichkeit vor. Auch die Frau spreizt die
Schenkel vor der Kamera. Draußen rinnt die rote Farbe über das
Kriegerdenkmal – ein ebenso selbstverständliches Bild wie die
Grafittis an den ehemals besetzten Häusern der Hafenstraße.
„Mein erster Eindruck war, dass ich etwas Großes erlebt hatte
und dass die Erinnerungen und Träume, - die Bilder, die im Kino
bislang verboten waren, sich auf magische Weise aus den Fesseln
der Verbote und aus den Zonen der Tabus befreit hatten.
Wilhelm und Birgit Hein, die sich im Film allen möglichen
Verletzungen ausgesetzt hatten, schienen eben dadurch unverletzbar.
Sie waren integer und geschützt von einem Tabu, das ich nicht begriff, - geschützt auch vor dem Zugriff des gesetzlichen, moralischen oder wie auch immer definierten Kodex, der über die Zulässigkeit von
Bildern entschied.“ (Dietrich Kuhlbrodt)
werden, spielt oben ein Erwachsener, mit sich allein, Szenen der
frühpubertären Kindheit nach. Die Frau im Schlachthofzimmer
schert ihm den Kopf kahl. Der Mann liest eine Geschichte der
hemmungslosen Scheherazade vor. Die Kinder kochen munter
den Hundekadaver, und der Erwachsene legt entschlossen seine
privaten Teile der Öffentlichkeit vor. Auch die Frau spreizt die
Schenkel vor der Kamera. Draußen rinnt die rote Farbe über das
Kriegerdenkmal – ein ebenso selbstverständliches Bild wie die
Grafittis an den ehemals besetzten Häusern der Hafenstraße.
„Mein erster Eindruck war, dass ich etwas Großes erlebt hatte
und dass die Erinnerungen und Träume, - die Bilder, die im Kino
bislang verboten waren, sich auf magische Weise aus den Fesseln
der Verbote und aus den Zonen der Tabus befreit hatten.
Wilhelm und Birgit Hein, die sich im Film allen möglichen
Verletzungen ausgesetzt hatten, schienen eben dadurch unverletzbar.
Sie waren integer und geschützt von einem Tabu, das ich nicht begriff, - geschützt auch vor dem Zugriff des gesetzlichen, moralischen oder wie auch immer definierten Kodex, der über die Zulässigkeit von
Bildern entschied.“ (Dietrich Kuhlbrodt)