Lisa and Suzanne
Werk
„Ernie Gehrs kurzer, stummer Film [...] zeigt zwei junge Mädchen, fast noch Kinder, auf einer New Yorker Straße. Beide tragen Blau, die eine verwaschene Blue Jeans, die andere ein kurzes, etwas dürftiges Strickkleid, beide sind staksig, lustlos, etwas spröde vor der Kamera. Nur ihr üppig wallendes, präraffaelitisches Haar ist sorgfältig gepflegt und steht in eigenartigem Widerspruch zu ihrer sonstigen Erscheinung und der öden Umgebung, in der sie sich aufhalten. [...] Obwohl der Film auf jede Dramatisierung verzichtet – eine kurze Zuwendung der Mädchen zueinander, eine Grimasse und ein gesprochener Satz, den man nicht hört, sind schon die Höhepunkte der Aktion – vermittelt er einen deutlichen Eindruck von Lisa und Suzanne. Ihre Ähnlichkeit scheint sie zunächst zu identischen Wesen zu erklären. Aber im weiteren Verlauf treten auch ihre Unterschiede mehr und mehr in Erscheinung. Die verschiedene Tönung von Haar und Augen, der Altersunterschied zwischen ihnen und ihre unterschiedlichen Kleidungsstücke lassen verschiedenartige Charaktere ahnen. In ihrer minimalen Gestik und Mimik kommt zum Ausdruck, dass sich hinter der enigmatischen Oberfläche der Fotografie zwei Personen verbergen, deren Eigenleben der Filmemacher respektiert.“ (Noll Brinckmann/Mo Beyerle)
