Frog Spider Hand Horse House

Werk


Frog Spider Hand Horse House
Frog Spider Hand Horse House
Frog Spider Hand Horse House
Frog Spider Hand Horse House
Frog Spider Hand Horse House
Shelly Silver    → Biografie anzeigen   
USA
2013 – 2017
Englisch
2013
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In Shelly Silvers „frog spider hand horse house“ wurde die Anstrengung aller Dinge, weiter zu existieren, von jemandem mit einer Kamera beobachtet, der, was die Persönlichkeit angeht, niemand zu sein scheint. Dieser akut neutrale Beobachter, der neugierig und geduldig ist, ganz nah heranrückt und dort verharrt, registriert die überfokussierte Anstrengung aller Lebewesen um den Ausdruck von Vitalität, das hartnäckige Fortschreiten der Zeit von besonders geformten und strukturierten Körpern. Die lebendige Geste fesselt den Künstler des bewegten Bildes: Eine Breitflügelfledermaus, flink und unbeholfen zugleich, erklimmt die Maschen eines Netzes.  Ein Pferd wendet sein breites weißes Gesicht der Linse zu. Ein Frosch stößt langsam etwas Ekelhaftes aus, Teenager üben im Chor Harmonien, ein Pianist spielt Beethovens Sonate Opus 106, Adagio sostenuto. Aber das Leben ist nicht das einzige Maß für den Wandel in der Zeit, und Silver beobachtet den bunten Froschdrachen, der aus dem Bild driftet, oder das getötete Eichhörnchen, das sich auf dem Asphalt einnistet, mit der gleichen Aufmerksamkeit, die sie bequemen weißen Menschen mittleren Alters widmet, die Tai Chi lernen, oder Erstklässlern, die lernen, in ihrem Kreisspiel schön zusammenzuspielen. Sie bemerken vielleicht nicht, dass ihr Lied den Mechanismus des Universums beschreibt:

            Round and round the earth is turning
            Turing always round til morning
            And from morning round til night…

Silver nennt diesen Film „ein Märchen ohne eine Geschichte ohne eine Fee“. Aber wenn ein Märchen auf eine Moral hinarbeitet und eine Fee die Umstände mit wohltuender oder böser Magie berührt, könnte dann nicht der Aufnahmeapparat, das Dispositiv des Films, in diesem Fall das Mittel der Fabel sein? Hier ist es das Filmemachen, das aus einem Ding ein anderes macht und ihm einen sequentiellen Sinn verleiht. Es ist das Filmemachen, das vorschlägt: Selbst das Verfallene, das ganz Normale, das Eingesperrte - wie zwei Hunde, die in einem Zimmer im zweiten Stock gefangen sind und aus dem Fenster bellen, das einen Spalt offen gelassen wurde - sind Magneten für den komponierenden und intensivierenden Blick der Kamera.

Frances Richard