Format: 35mm
Verleihstatus: Ausleihbar
Fassung: OmU
Sprache der Untertitel: Englisch
Laufzeit in Minuten: 20
Farbe: Farbe
Ton: Dolby SR
Bildformat: 1:1,85
Bilder pro Sekunde : 24
Länge in Meter: 548
Gewicht: 4
Anzahl Akte: 1
SSHTOORRTY (in Worten: SHORT STORY) heißt der 35mm-Film, weil er etwas versucht, was Michael Snow in seiner langen Karriere noch nie gemacht hat: einen narrativen Film. Und wie die meisten beginnt er mit einem Kurzfilm. In einer dreiminütigen Szene liefert ein Künstler ein Bild in die Wohnung seiner Geliebten und wird dabei mit dem eifersüchtigen Ehemann konfrontiert. Es kommt zu Gewalt. Snow faltet die Szene nach ihrer Fertigstellung wie einen Brief in der Mitte zusammen: Anfang und Ende liegen übereinander. Dahinter liegt eine Wiederholungsstruktur, die einen klassischen Kurzfilm zum zwölffachen Loop werden lässt. "(...) In Schriften über meine Filme findet man zuweilen Diskussionen des 'narrativen' Aspekts oder 'Lektüren' einiger meiner Filme. Ich habe das manchmal als fragwürdig empfunden, weil damit ihre schwer zu benennenden 'bildhaften' Natur, die viel wichtiger ist, aus dem Weg gegangen wird. Als ich darüber nachdachte, wurde mir klar, dass ich noch nie einen rein narrativen Film machen wollte, dass ich das noch nie gemacht hatte und daher vielleicht einmal probieren sollte. Vielleicht sollte ich endlich einmal einen Film machen, der wirklich eine Geschichte erzählt. Daher SSHTOORRTY. (...) Der Film (...) wurde exakt in zwei Hälften geschnitten, und beide Hälften – Ton und Bild – wurden übereinander gelegt. Daraus entsteht eine Simultaneität der Aktionen, die ursprünglich in ‘linearer Abfolge‘ vor sich gegangen waren. Vorher und Nachher werden zu einem transparenten Jetzt. Ankunft und Aufbruch sind vereint. Es ist wahrhaft ‘filmisch‘, ein transparenter ‘Film‘ über dem anderen. Es ist ein Gemälde über einem Gemälde. Ich habe mir einige Gedanken gemacht über die Farbmischung, die sich am Ende ergeben würde. Die Farben wurden sorgfältig ausgewählt, weil ich versuchte vorherzusagen, wie sie sich mischen und miteinander interagieren würden. Ich mache ‘Bilder‘, und die Erfahrung ihrer visuellen Wahrnehmung ist wichtiger als das ‘Woanders‘ einer Geschichte, selbst in diesem meinem erzählerischstem Film. In dieser Hinsicht hängt ein Teil der Wahrnehmung oder ‘Lektüre‘ des Films von den Entscheidungen des Zuschauers ab, was sich im eigentlichen vor-filmischen Geschehen vorher und was sich nachher abgespielt hat. Die Verwendung von Farsi und die Überlagerung mit englischen Untertiteln dienten dazu, dem Ganzen zwei weitere Schichten hinzuzufügen. Der Film wurde so gestaltet, dass man ihn mehrmals sehen muss. In meinem Viereinhalb-Stunden-Film Rameaus' Nephew… von 1974 verwendete ich verschiedene Sprachen. Das Hören einer fremden Sprache versetzt den Geist in eine ähnliche Haltung, in der man auch Musik hört. Die Sprache ist dann eher ein reiner Klang als ein Instrument zur Sinnerzeugung. Bedeutungen zu erfassen ist nicht alles beim Hören. (Eine vorsichtige politische Spitze: Ehebruch und das Trinken von Alkohol kann im Iran hart bestraft werden.) Ein Teil der ursprünglichen Konzeption bestand darin, dass man sich die Episode-über-der-Episode durchaus mehrmals ansehen / anhören könnte. Eine wiederholte Sichtung reduziert die Macht des Realismus und ermöglicht es einem, den Artefakt (oder: das Konstrukt), die Künstlichkeit, die Kunst wahrhaft zu entdecken. Der Film ist vielschichtig im wahrsten Sinn des Wortes, und ich glaube, dass man ihn jedes Mal anders sieht. Man kann sich beispielsweise auf die sich permanent verändernde Farbmischung konzentrieren oder darauf, was mit dem Gemälde oder den Untertiteln passiert, oder auf die Art und Weise, wie Dialog und Musik ineinander verwoben sind. Und ebenso wie man das Gedächtnis grundsätzlich in Frage stellen kann, kann man sich fragen, ob das Gedächtnis bei jeder Wiederholung tatsächlich dasselbe hervorbringt – oder vielleicht Veränderungen vornimmt?" (Michael Snow, Oktober 2005)
Kanada
2005
Farsi
2006
