Format: Datei
Verleihstatus: Nur interne Sichtung
Fassung: OmU
Sprache der Untertitel: Englisch
Laufzeit in Minuten: 84
Auflösung: 720x576
Größe: 17,9 GiB
Container: QuickTime
Codec: DV (PAL), PCM
Farbe: Farbe
Ton: 2.0
Bildformat: 1:1,33
Bilder pro Sekunde : 25
Rania Stephan erzählt in THE THREE DISAPPEARANCES OF SOAD HOSNI mit Found-Footage-Material die Geschichte des ägyptischen Filmstars Soad Hosni als psychedelische Collage.
Die Schauspielerin Soad Hosni ist eine Legende des arabischen Kinos. Knapp 90 Filme in gut 30 Jahren, zwischen 1959 und 1991. Zehn Jahre später beging Hosni in London Selbstmord. Vor allem in den 1960ern, als nach der Ausrufung der Republik 1953 ein Modernisierungsschub durch Ägypten ging, wurde sie zum Inbegriff der ägyptischen Frau auf der Leinwand. So steht denn auch am Anfang des Experimentalfilms THE THREE DISAPPEARANCES OF SOAD HOSNI eine Montage der Vielzahl von Rollen, die Hosni verkörperte. Die libanesische Dokumentar- und Experimentalfilmerin Rania Stephan hat sich Hosni nicht einfach als Figur der ägyptischen Filmgeschichte genähert; vielmehr hat Stephan sich der Figur Soad Hosnis durch das Medium genähert, das zu ihrer andauernden Bekanntheit entscheidend beigetragen hat: der Videokassette. Aus über 60 Videoaufnahmen von Filmen mit Soad Hosni hat Stephan ein Porträt in drei Akten montiert.
Rückblenden vom Krankenbett aus bilden den Rahmen des Prologs, in dem in schneller Schnittfolge Szenen aus Hosnis Filmen aneinander anschließen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Farbfilmen, die oft psychedelische Elemente wie Lichtspiegelungen in die Bildkonstruktion aufnehmen. Wieder und wieder rennt Hosni durch Landschaften, räkelt sich auf Betten. Ein Sportfilm scheint einzig darauf angelegt, Hosnis Beine ins rechte Bild zu setzen.
Der erste Akt blendet zurück in die Umbruchszeit 1952, als die Monarchie durch einen Militärputsch unter Führung der Offiziere Nasser und Nagib gestürzt wurde. Es folgen Szenen aus eher politischen Filmen, an denen Hosni mitgewirkt hat. Politisches Kino und trällernde Unterhaltung stehen bei Hosni direkt nebeneinander. So könnte es sich bei einem der politischen Filme um "Al-karnak" von Hosnis späterem zweiten Ehemann Ali Badrakhan handeln, einem zentralen Werk für die Abrechnung mit dem System Nassers nach dem Übergang zu Sadat Anfang der 1970er Jahre.
Stephan vollbringt in ihrer Montage die beachtliche Leistung, die Vielschichtigkeit von Hosnis Schauspielkarriere sichtbar werden zu lassen und gleichzeitig subtil wiederkehrende Motive herauszuarbeiten, wie die Flucht ins Bett, in das sich Hosni von der Welt gequält in ihren Rollen zurückzieht. Gleichzeitig werden die Register erkennbar, das Quicklebendige gerade ihrer frühen Rollen, aber auch die psychologische Komplexität, für die Hosni schon bald berühmt wurde.
Stephan schwelgt nicht einfach in den Bildwelten der goldenen Zeit einer der aufregendsten Kinematographien der 1960er und 1970er Jahre, sondern akzentuiert mit viel Sinn für Dramaturgie. So dauert es eine Weile, bis Abdelhalim Hafez, einer der größten männlichen Stars des ägyptischen Kinos der 1950er Jahre und eventueller erster Ehemann, mindestens aber zeitweiliger Partner Hosnis ins Bild kommt.
Im Laufe des Films trübt sich die Stimmung ein. Im dritten Akt des Films irrt Hosni zunehmend über feindliche Gänge, auf denen sich verschlossene Türen aneinander reihen, die Tränen fließen in Strömen. Von der sorglosen Euphorie der Anfangsjahre hat sich wenig erhalten. Ohne es in einem Kommentar erwähnen zu müssen, wird Hosnis doppelte Tragödie erkennbar: die ihrer Krankheit, die sie 1991 zum Rückzug von der Leinwand zwang und die der Rollen, die sie verkörperte. (Fabian Tietke)